Anfälle
Fokale und generalisierte Anfälle sind häufig, im Säuglingsalter oft als West-Syndrom mit infantilen Spasmen, und bleiben bei vielen Patienten trotz klassischer Antiepileptika therapieresistent.
Cureal Therapiespektrum
Bei Anfällen, die mit dem Tuberöse-Sklerose-Komplex (TSC) verbunden sind, ist hochgereinigtes Cannabidiol als Fertigarzneimittel Epidyolex ab dem zweiten Lebensjahr als ergänzende Therapie zugelassen, wenn klassische Antiepileptika nicht ausreichend wirken. Andere Cannabis-Präparate können bei Begleitsymptomen wie Schlafstörungen, innerer Unruhe oder Schmerzen nur Off-Label im Einzelfall geprüft werden. Bei Cureal ordnen wir die Therapie immer in Abstimmung mit Neurologie, TSC-Spezialsprechstunde und bestehender Medikation ein.
Einordnung
Die Tuberöse Sklerose, auch Tuberöse-Sklerose-Komplex (TSC) genannt, ist eine seltene genetische Multisystem-Erkrankung. Mutationen in einem der beiden Gene TSC1 oder TSC2 führen zu einer Überaktivierung des mTOR-Signalwegs, der zentralen Steuerstelle für Zellwachstum. Die Folge sind gutartige Wucherungen, sogenannte Hamartome, in mehreren Organen.
TSC tritt bei etwa einem von 6.000 bis 10.000 Lebendgeborenen auf. In Deutschland leben schätzungsweise 8.000 bis 12.000 Menschen mit der Diagnose. Die Erstdiagnose erfolgt häufig im Säuglings- oder Kleinkindalter, in milderen Verlaufsformen auch erst im Erwachsenenalter.
Besonders häufig betroffen sind Gehirn, Nieren, Haut, Herz, Lungen und Augen. Bei 80 bis 90 Prozent der Patienten treten Anfälle auf, oft schon früh im Leben und häufig therapieresistent gegenüber klassischen Antiepileptika. Die Behandlung gehört in spezialisierte neurologische oder pädiatrische Begleitung.
Beschwerdebereiche
TSC ist keine einzelne Symptomdiagnose. Für eine Cannabis-Einordnung zählen Anfälle, Organsysteme, Begleitmedikation und Spezialversorgung zusammen.
Fokale und generalisierte Anfälle sind häufig, im Säuglingsalter oft als West-Syndrom mit infantilen Spasmen, und bleiben bei vielen Patienten trotz klassischer Antiepileptika therapieresistent.
Hypopigmentierte Eschenblattflecken, faziale Adenoma sebaceum, raue Shagreen-Patches und periunguale Fibrome können sichtbare Hinweise auf TSC sein.
Nieren-Angiomyolipome, kardiale Rhabdomyome und bei Frauen die Lungenerkrankung LAM brauchen regelmäßige Verlaufskontrollen.
Lernschwierigkeiten, Aufmerksamkeitsprobleme, autistische Symptome, Schlafstörungen und innere Unruhe fasst man als TSC-Associated Neuropsychiatric Disorders zusammen.
Antiepileptika, mTOR-Inhibitoren wie Everolimus, Clobazam und weitere Mittel bestimmen Wechselwirkungen und Therapieplanung.
MRT, Bauch-Sonographie, Augenarzt, Kardiologie und die TSC-Spezialsprechstunde bleiben die zentrale Versorgungsstruktur.
Abklärung
TSC wird nicht durch einen einzelnen Test festgestellt, sondern anhand internationaler Konsensus-Kriterien und gezielter Untersuchungen.
Die Diagnose stellt der behandelnde Neurologe, Pädiater oder Facharzt für Humangenetik, meist im Rahmen einer TSC-Spezialsprechstunde oder einer universitären Ambulanz. Grundlage sind internationale TSC-Konsensus-Kriterien mit klinischen Haupt- und Nebenkriterien, etwa kortikale Tubera, hypopigmentierte Flecken oder Angiomyolipome.
Eine genetische Testung auf TSC1- und TSC2-Mutationen sichert die Diagnose zusätzlich ab, ist für die klinische Diagnosestellung aber nicht zwingend erforderlich. Bei Erwachsenen mit bislang unbekannter Diagnose, therapieresistenter Epilepsie und typischen Hautveränderungen sollte eine TSC-Abklärung erwogen werden.
Klassische Behandlung
Die Behandlung folgt internationalen TSC-Konsensus-Empfehlungen und kombiniert mehrere Bausteine. Medizinisches Cannabis ergänzt diese Therapie, ersetzt sie aber nicht.
Bei infantilen Spasmen ist Vigabatrin meist Mittel der ersten Wahl. Je nach Anfallsform kommen weitere Antiepileptika wie Valproat, Lamotrigin, Levetiracetam, Topiramat oder Clobazam hinzu. Bei sorgfältig ausgewählten Patienten können außerdem Epilepsiechirurgie, ketogene Diät oder Vagusnerv-Stimulation zusätzliche Optionen sein.
Seit 2021 ist hochgereinigtes Cannabidiol als Fertigarzneimittel Epidyolex ab dem zweiten Lebensjahr als Zusatztherapie für Anfälle im Rahmen einer Tuberösen Sklerose zugelassen, wenn klassische Antiepileptika nicht ausreichend wirken.
Cannabinoid-System
Das körpereigene Endocannabinoid-System ist an der Steuerung der neuronalen Erregbarkeit, der Anfallsschwelle, der Stressverarbeitung und der Schlaf-Wach-Regulation beteiligt. Cannabidiol wirkt über mehrere Mechanismen modulierend auf diese Systeme.
Diese Funktionsbreite ist die biologische Basis dafür, dass Cannabidiol sowohl bei Anfällen im Rahmen einer Tuberösen Sklerose als auch bei Begleitsymptomen wie Schlafstörungen oder innerer Unruhe ansetzen kann. In der zugelassenen Indikation ist Epidyolex seit 2021 in Europa als ergänzende Therapie ab dem zweiten Lebensjahr verfügbar.
Jenseits der zugelassenen Anwendung kann medizinisches Cannabis bei hartnäckigen Schlafstörungen, innerer Unruhe oder schmerzbedingter Belastung im Einzelfall ergänzend geprüft werden. CBD-dominante Präparate kommen tagsüber infrage, niedrig dosierte THC-haltige Kombinationen können abends zur Schlafstabilisierung eingesetzt werden. Diese Off-Label-Anwendung folgt dem Prinzip start low, go slow und ist nicht durch eine eigene TSC-Zulassungsstudie gestützt.
Evidenz
Die Studienlage zu Cannabidiol bei TSC-assoziierten Anfällen ist im Vergleich zu den meisten anderen Indikationen besonders belastbar.
Randomisierte doppelblinde placebokontrollierte Phase-3-Studie (Thiele et al., 2021, JAMA Neurology) bei Patienten mit therapierefraktärer TSC-assoziierter Epilepsie. Unter Epidyolex zeigte sich gegenüber Placebo eine signifikante Reduktion der Anfallshäufigkeit. Diese Studie ist Grundlage der EMA-Zulassungserweiterung 2021.
Seit 2021 ist Epidyolex in Europa als Zusatztherapie für TSC-assoziierte Anfälle zugelassen. Eine Open-Label-Verlängerungsstudie von French und Kollegen (2021, Epilepsy and Behavior) bestätigt eine anhaltende Anfallsreduktion über mehrere Behandlungsjahre bei akzeptablem Sicherheitsprofil.
Rechtslage
Medizinisches Cannabis ist in Deutschland seit 2017 verschreibungsfähig. Bei Tuberöser Sklerose gilt eine klare Trennung zwischen zugelassener und nicht zugelassener Anwendung.
Epidyolex ist als ergänzende Therapie für Anfälle bei TSC ab dem zweiten Lebensjahr zugelassen. Die Verordnung erfolgt auf Kassenrezept, eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse ist die Regel, wenn Indikation und Voraussetzungen erfüllt sind. Andere Cannabis-Präparate werden bei Begleitsymptomen wie Schlafstörungen, Anspannung oder Schmerzen ausschließlich Off-Label eingesetzt; eine Kostenübernahme wird hier im Einzelfall geprüft und ist nicht die Regel.
Ablauf
Die Therapieentscheidung braucht vorhandene Diagnostik, aktuelle Anfallsdaten, den Medikationsplan und Abstimmung mit der behandelnden Spezialversorgung.
TSC-Verlauf, Anfallsfrequenz sowie bereits eingesetzte Antiepileptika und mTOR-Inhibitoren werden strukturiert erfasst.
Bisherige Medikation und Therapieantwort werden geprüft, bevor eine Cannabis-Option eingeordnet wird.
Es wird geklärt, ob Epidyolex als zugelassene Add-on-Therapie infrage kommt oder eine Off-Label-Cannabis-Therapie bei Begleitsymptomen sinnvoll ist.
Bei zugelassener Indikation wird ein Kassenrezept vorbereitet, bei Off-Label-Anwendung stellt der Arzt ein Privatrezept aus.
Die Dosierung wird schrittweise auftitriert. Nach zwei bis vier Wochen werden Anfallsfrequenz, Schlaf, Verträglichkeit und Wechselwirkungen gemeinsam überprüft.
Sicherheit
Bei TSC-Patienten sind Wechselwirkungen mit Clobazam und Everolimus besonders relevant. Cannabidiol kann beide Wirkspiegel beeinflussen, deshalb bleibt die Therapieführerschaft bei Neurologie, Pädiatrie oder TSC-Spezialsprechstunde.
Häufige Fragen
Diese Antworten geben eine erste Orientierung. Die konkrete Einschätzung für Ihre Situation trifft der behandelnde Arzt.
Bei Anfällen, die mit dem Tuberöse-Sklerose-Komplex verbunden sind, senkt hochgereinigtes Cannabidiol als Fertigarzneimittel Epidyolex als Add-on zur Standard-Antiepileptika-Therapie die Anfallshäufigkeit. Grundlage ist die randomisierte doppelblinde placebokontrollierte Phase-3-Studie von Thiele und Kollegen (2021, JAMA Neurology), die zur EMA-Zulassungserweiterung 2021 führte. Die Wirkung tritt schrittweise während der Auftitration ein. Off-Label-Cannabis bei Schlaf, Unruhe oder Schmerzen wird davon getrennt geprüft.
Bei der zugelassenen Indikation Epidyolex als Zusatztherapie für TSC-assoziierte Anfälle erfolgt die Verordnung auf Kassenrezept, eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse ist die Regel, wenn Indikation und Voraussetzungen erfüllt sind. Off-Label-Anwendungen mit anderen Cannabis-Präparaten werden im Einzelfall geprüft und sind meist privat finanziert.
Besonders relevant sind Wechselwirkungen mit Clobazam und Everolimus. Cannabidiol kann den Clobazam-Spiegel und den seines aktiven Metaboliten erhöhen, was zu vermehrter Müdigkeit oder Sedierung führen kann. Auch der Everolimus-Spiegel kann beeinflusst werden. Deshalb braucht es engmaschige Spiegelkontrollen und Abstimmung mit Neurologie oder TSC-Spezialsprechstunde.
Häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Appetitminderung, Durchfall und leichte Leberwert-Veränderungen. In Kombination mit Clobazam kann die Sedierung stärker ausfallen. Schwerwiegende Leberwert-Erhöhungen sind selten und werden durch regelmäßige Laborkontrollen früh erkannt. Die Einstellung gehört deshalb eng begleitet.
Bei TSC-assoziierten Anfällen ist Epidyolex die rechtlich und studienseitig solideste Cannabis-Option. Andere Cannabis-Präparate sind in dieser Indikation nicht zugelassen und durch die direkte TSC-Studienlage nicht gestützt. Bei Begleitsymptomen wie Schlafstörungen oder Schmerzen können sie nur Off-Label ergänzend geprüft werden. Die Therapieführerschaft bleibt bei der TSC-Spezialsprechstunde.
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Zur SeiteSchmerzbedingte Belastung kann TSC begleiten und wird wie bei anderen Indikationen Off-Label geprüft.
Zur SeiteWenn TSC-assoziierte Anfälle, Schlafprobleme, Unruhe oder Schmerzen trotz bestehender Behandlung belasten, kann eine ärztliche Beratung klären, welche Rolle Epidyolex oder eine Off-Label-Cannabis-Therapie in Ihrem Fall haben kann.