Medizinisches Cannabis bei Multipler Sklerose
Bei mittelschwerer bis schwerer MS-Spastik ist mit Nabiximols (Sativex) ein zugelassenes Cannabinoid-Fertigarzneimittel als Add-on verfügbar, wenn andere Mittel gegen Muskelsteifigkeit nicht ausreichend wirken. Auch Nervenschmerzen, Schlafstörungen und tiefe Erschöpfung sprechen nach klinischer Erfahrung und Studienlage auf medizinisches Cannabis an. Bei Cureal München prüfen wir im Erstgespräch (19,90 EUR), ob eine Cannabistherapie für Ihre Situation in Frage kommt.

In Deutschland leben über 300.000 Menschen mit MS. Die Erkrankung verläuft individuell unterschiedlich, oft in Schüben. Wer leitliniengerecht mit Immuntherapien behandelt wird und trotzdem unter Muskelsteifigkeit, Nervenschmerzen oder Schlafstörungen leidet, hat heute eine zusätzliche Option: medizinisches Cannabis als ergänzende Therapie für Symptome, die im Alltag besonders belasten. Diese Seite zeigt Ihnen die Wirkmechanismen, den Stand der Studienlage und den Weg zum Rezept bei Cureal München.
Was ist Multiple Sklerose ?
Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung, bei der das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Konkret greift das Immunsystem die Schutzschicht der Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark an. Die Folge sind Entzündungsherde, die vielfältige Symptome im Nervensystem auslösen. Nach Daten des Deutschen MS-Registers Ende 2024 leben in Deutschland über 300.000 Menschen mit MS. Der Frauenanteil liegt bei 71,1 Prozent, das durchschnittliche Alter bei Erkrankungsbeginn beträgt 32,8 Jahre. Methodischen Rahmen liefert die S2k-Leitlinie MS 2024.
Verlaufsformen:
- Schubförmig (RRMS): Schübe mit weitgehender Erholung zwischen den Schüben, teils vollständiger Rückbildung. Häufigste Form, bei rund 79,5 Prozent der dokumentierten Erkrankten.
- Sekundär-fortschreitend (SPMS): Übergang aus der RRMS in eine schleichende Verschlechterung.
- Primär-fortschreitend (PPMS): Langsame Verschlechterung von Anfang an.
Ursachen: Die Ursachen sind nicht abschließend geklärt. Genetische Veranlagung, Umweltfaktoren wie Vitamin-D-Mangel, eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (dem Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers) und Rauchen sowie Störungen der Immunregulation spielen eine Rolle.
Begleitsymptome: Muskelsteifigkeit, Nervenschmerzen, Schlafstörungen und tiefe Erschöpfung prägen den Alltag oft stärker als die Schübe selbst. Genau diese Begleitsymptome sind eigenständig adressierbar und stehen im Fokus einer ergänzenden Cannabistherapie.
Wie sich Multiple Sklerose äußert
Vier Beschwerdebereiche stehen besonders im Vordergrund:
Muskelsteifigkeit (Spastik)
Erhöhter Muskeltonus, Steifigkeit, schmerzhafte Muskelkrämpfe, oft in Beinen, kann Gangbild und Alltag stark beeinträchtigen.
Sensibilitäts- und Sehstörungen
Kribbeln, Taubheit, Schmerzen entlang der Nerven, Sehstörungen bis hin zur Sehnervenentzündung.
Tiefe Erschöpfung
Tiefe Erschöpfung unabhängig von körperlicher Belastung, oft als belastendster Faktor empfunden.
Blasen-, Darm- und Nervenschmerzen
Funktionsstörungen der Blase und des Darms, Nervenschmerzen und in manchen Fällen sexuelle Funktionsstörungen.
Diagnose von Multipler Sklerose
Die Diagnose erfolgt nach der S2k-Leitlinie MS 2024 anhand neurologischer Untersuchung,
MRT (Nachweis charakteristischer Läsionen), Untersuchung des Nervenwassers (Liquordiagnostik) und
gegebenenfalls Messung von Nervenleitgeschwindigkeiten. Die Diagnostik liegt in der Neurologie.
Sobald die Diagnose steht und die Verlaufstherapie eingestellt ist, kann eine ergänzende Cannabistherapie
für belastende Begleitsymptome geprüft werden. Cureal arbeitet bei MS ausschließlich in enger Abstimmung
mit der behandelnden neurologischen Praxis oder Klinik.
Therapie der Multiplen Sklerose
Die Behandlung folgt der S2k-Leitlinie und ist mehrschichtig. Medizinisches Cannabis ergänzt diese Bausteine bei Spastik und weiteren Begleitsymptomen.
Schubtherapie: Hochdosiertes Kortison bei akuten Schüben.
Verlaufstherapie: Immunmodulatoren und Immunsuppressiva (zum Beispiel Interferone, Glatirameracetat, Fingolimod, Ocrelizumab, Cladribin). Diese Therapien beeinflussen den Krankheitsverlauf und gehören in die neurologische Hand.
Symptomatische Therapie: Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie sowie Medikamente gegen Muskelsteifigkeit (Baclofen, Tizanidin, Gabapentin), Nervenschmerzen, Blasenstörungen und tiefe Erschöpfung. In dieser Säule ist Nabiximols (Sativex) als zugelassenes Add-on bei mittelschwerer bis schwerer Muskelsteifigkeit (Spastik) verfügbar, wenn andere antispastische Medikamente nicht ausreichend wirken.
Cannabis bei Multipler Sklerose:
Ein Blick auf die pflanzliche Medizin
Das Endocannabinoid-System
Das körpereigene Cannabinoid-System (Endocannabinoid-System) ist an der Regulation von Muskeltonus, Schmerzwahrnehmung, Schlaf und Immunfunktion beteiligt. Es gibt im Körper Andockstellen, an denen Cannabis wirkt: eine Sorte beeinflusst die neuronale Erregbarkeit und damit Muskeltonus und Schmerz, eine andere wirkt auf Immun- und Entzündungsprozesse.
Diese Funktionsbreite ist die Basis für den möglichen Nutzen von Cannabis-Wirkstoffen bei MS, weil sie mehrere Symptombereiche gleichzeitig adressieren können.
Wirkung bei Muskelsteifigkeit (Spastik)
Für die mittelschwere bis schwere MS-Spastik ist das standardisierte THC-CBD-Präparat Nabiximols (Sativex) als Mundspray in Deutschland und der EU zugelassen, als Add-on bei unzureichendem Ansprechen auf andere antispastische Medikamente. Studien zeigen unter Sativex Verbesserungen der Muskelsteifigkeit und assoziierter Symptome wie Schmerz und Schlaf.
Wirkung bei Nervenschmerzen
Hier liegt der zweite große Anwendungsbereich. Nervenschmerzen, Schlafprobleme und tiefe Erschöpfung sprechen nach klinischer Erfahrung und Studienlage auf medizinisches Cannabis an. Bei diesen Symptomen handelt es sich um Anwendungen außerhalb der zugelassenen Anwendung (Off-Label). CBD-dominante Präparate stehen oft im Vordergrund, weil sie nicht psychoaktiv wirken und gut steuerbar sind. THC-haltige Sorten kommen ergänzend zum Einsatz, wenn das Symptombild es nahelegt, etwa bei stark ausgeprägten Schlafstörungen oder Nervenschmerzen.
MS und Cannabis: Die Studienlage
Die Datenlage zu Cannabis bei MS ist im Bereich der Therapie der Muskelsteifigkeit vergleichsweise gut, bei anderen Symptomen je nach Bereich unterschiedlich.
Ein Forschungsteam um Filippini fasste 2022 zusammen (Cochrane) und ein Forschungsteam um Haddad fasste 2022 zusammen die Evidenz zu Cannabis-Wirkstoffen bei MS in systematischen Übersichten. Für die Therapie der Muskelsteifigkeit zeigen sich konsistente, klinisch relevante Effekte, für andere Symptome variiert die Datenlage je nach Bereich.
Aktuelle Daten aus der Praxis zu Nabiximols stützen das Bild. Eine Schweizer Multicenter-Studie 2024 untersucht Effektivität, Sicherheit und Patientenzufriedenheit unter Nabiximols bei MS-Spastik und assoziierten Symptomen. Eine deutsche Real-World-Auswertung 2024 dokumentiert über 12 Wochen klinisch relevante Verbesserungen in Muskelsteifigkeit, Schmerz, Schlafqualität und Blasenfunktion. Eine systematische Leitlinien-Review 2022 wertet 16 europäische Leitlinien zur Spastik-Behandlung aus und ordnet Nabiximols als akzeptierte Second-Line-Option ein. Eine Auswertung patientenberichteter Endpunkte 2024 zeigt, dass der Alltagsnutzen aus Patientensicht oft höher ausfällt als klassische Spastik-Skalen abbilden.
Für Anwendungen außerhalb der zugelassenen Anwendung mit Blüten oder Extrakten bei Nervenschmerzen, Schlaf oder tiefer Erschöpfung ist die Evidenz heterogener und beschränkt sich überwiegend auf kleinere Beobachtungsstudien und Praxis-Erhebungen. Diese Datenlage wird in der Fachdiskussion als Hinweis darauf gewertet, dass die Wahl des Wirkstoffs, die Dosierung und die individuelle Einstellung entscheidend sind, also genau das, was in einer ärztlich begleiteten Therapie geleistet wird.
Rechtliche Lage in
Deutschland (Stand 2026)
Medizinisches Cannabis ist seit 2017 verschreibungsfähig. Bei MS gelten zwei Fälle:
- Zugelassene Indikation: Für mittelschwere bis schwere MS-Spastik als Add-on (nach unzureichendem Ansprechen auf andere antispastische Medikamente) ist Nabiximols (Sativex) zugelassen. Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse ist hier die Regel.
- Anwendung außerhalb der zugelassenen Anwendung (Off-Label): Bei anderen MS-Symptomen (Nervenschmerzen, Schlaf, tiefe Erschöpfung) wird die Verordnung im Einzelfall geprüft, oft auf Privatrezept.
Wie kommen Sie zum Cannabis bei MS?
Beratungsgespräch
Sie schildern Ihre Verlaufsform, Ihre aktuelle Verlaufstherapie und welche Symptome (Muskelsteifigkeit, Nervenschmerzen, Schlaf, tiefe Erschöpfung) Sie am stärksten belasten. Der Arzt prüft den gesamten Medikationsplan auf Wechselwirkungen und klärt mit Ihnen, ob eine Cannabistherapie für Ihre Situation sinnvoll ist. Eine kurze Rücksprache mit Ihrer behandelnden Neurologie ist Teil des Vorgehens und sorgt für eine sichere Einstellung..
Lernen Sie unsere Ärzte kennen:
Unsere Ärzte
Rezept
Bei passender Indikation stellt der Arzt ein Rezept aus. Bei Spastik kommt Nabiximols (Sativex) als zugelassenes Add-on in Frage. Bei anderen Symptomen werden Wirkstoff (CBD-dominant oder mit niedrig dosiertem THC) und Sorte individuell auf Sie zugeschnitten. Sie erhalten eine genaue Erklärung zur Einnahme und zu den ersten Wochen der Einstellung.Mehr Infos zum Cannabis-Rezept gibt es hier.
Einstellung
Das Rezept lösen Sie in einer Apotheke ein, die medizinisches Cannabis führt. Der Einstieg erfolgt mit niedrigen Dosen nach dem Prinzip "start low, go slow". Nach zwei bis vier Wochen schauen wir gemeinsam, wie Sie das Mittel vertragen und welche Symptome sich gebessert haben. Dosierung und Sorte passen wir bei Bedarf an, bis das Ergebnis für Ihren Alltag passt.
Häufige Fragen zu Multipler Sklerose
Bei mittelschwerer bis schwerer MS-Spastik ist Nabiximols (Sativex) als Add-on zugelassen, wenn andere antispastische Medikamente nicht ausreichend wirken. Studien zeigen unter Sativex Verbesserungen der Muskelsteifigkeit und assoziierter Symptome wie Schmerz und Schlaf. Auch bei Nervenschmerzen, Schlafstörungen und tiefer Erschöpfung berichten viele MS-Patienten unter ärztlich eingestellter Cannabistherapie von einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität. Diese Off-Label-Anwendungen werden im Einzelfall geprüft.
Bei MS-Spastik ist Nabiximols (Sativex) das zugelassene Mundspray. Bei Nervenschmerzen, Schlaf und tiefer Erschöpfung kommen individuell zugeschnittene Cannabis-Präparate in Frage. CBD-dominante Sorten stehen oft im Vordergrund, weil sie nicht psychoaktiv wirken und gut steuerbar sind. THC-haltige Sorten ergänzen, wenn das Symptombild es nahelegt. Die Auswahl erfolgt individuell im Erstgespräch und in Abstimmung mit der behandelnden Neurologie.
Nein. Medizinisches Cannabis wirkt symptomatisch und ergänzt die Behandlung. Die Verlaufstherapie der MS (Interferone, Glatirameracetat, Fingolimod, Ocrelizumab, Cladribin und weitere) gehört in die neurologische Betreuung und wird durch Cannabis-Wirkstoffe nicht ersetzt. Eine Reduktion oder Absetzung der Verlaufstherapie darf ausschließlich in Absprache mit dem behandelnden Neurologen erfolgen.
Mögliche Nebenwirkungen sind Schwindel, Mundtrockenheit, Müdigkeit, leichte Konzentrationsstörungen und ein vorübergehender Anstieg des Herzschlags, vor allem in der Einstellungsphase. Bei MS-Patienten beobachten wir zusätzlich Gleichgewicht, Sturzrisiko und Kognition engmaschig. Genau dafür ist die ärztliche Begleitung da: Wir steigen niedrig ein, kontrollieren regelmäßig und passen die Therapie sofort an, falls nötig.
Bei der zugelassenen Indikation MS-Spastik mit Nabiximols ist die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse die Regel, wenn die Voraussetzungen (mittelschwere bis schwere Muskelsteifigkeit, unzureichendes Ansprechen auf andere antispastische Medikamente) dokumentiert sind. Bei Anwendungen außerhalb der zugelassenen Anwendung (Off-Label) wird der Antrag im Einzelfall vom Medizinischen Dienst geprüft. Wir helfen Ihnen im Erstgespräch bei der Einschätzung Ihrer Chancen und bei den nötigen Unterlagen.
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Disclaimer
Dieser Text dient ausschliesslich der Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Medizinisches Cannabis ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben. Die Entscheidung für oder gegen eine Therapie trifft ausschliesslich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt im individuellen Gespräch.