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Cureal Therapiespektrum

Medizinisches Cannabis bei ADHS

ADHS gehört in psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Medizinisches Cannabis ist keine Erstlinientherapie. Bei Erwachsenen kann eine Off-Label-Anwendung im Einzelfall geprüft werden, wenn innere Unruhe, Schlafstörungen oder emotionale Dysregulation trotz Standardtherapie deutlich belasten.

  • Diagnose voraussetzen
  • Off-Label prüfen
  • Medikation abstimmen
Medizinisches Cannabis bei ADHS einordnen
ADHS vorsichtig einordnenCannabis kann allenfalls Begleitsymptome adressieren und ersetzt keine ADHS-Basistherapie.

Einordnung

Was ist ADHS?

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, eine neuropsychiatrische Störung, die meist im Kindesalter beginnt und bei rund zwei Dritteln der Betroffenen bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt. Bei Erwachsenen äußert sich ADHS oft anders als bei Kindern: statt körperlicher Hyperaktivität stehen innere Unruhe, Schwierigkeiten bei der Alltagsorganisation und emotionale Dysregulation im Vordergrund. Methodischen Rahmen liefert die S3-Leitlinie ADHS der Fachgesellschaften.

In Deutschland sind schätzungsweise drei bis fünf Prozent der Erwachsenen betroffen. Genaue Zahlen sind schwer zu bestimmen, weil die Diagnose im Erwachsenenalter häufig spät oder gar nicht gestellt wird.

Schlafstörungen, Angststörungen, Depressionen und Suchterkrankungen treten bei Erwachsenen mit ADHS deutlich häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Genau diese Begleitsymptome sind oft eigenständig adressierbar und stehen mit im Fokus einer ergänzenden Cannabistherapie.

Cannabistherapie bei ADHS ärztlich begleiten

Beschwerdebereiche

Welche ADHS-Beschwerden im Alltag relevant sind

Diagnose, Begleiterkrankungen, Suchtrisiko, aktuelle Medikamente und konkrete Zielbeschwerden bestimmen, ob eine cannabisbasierte Behandlung überhaupt vertretbar ist.

Aufmerksamkeit

Konzentration, Aufgabenbeginn und Durchhalten können stark schwanken und sollten nicht isoliert betrachtet werden.

Innere Unruhe

Viele Erwachsene beschreiben dauerhafte Anspannung, Getriebensein und Schwierigkeiten, abends herunterzufahren.

Schlafstörungen

Einschlafprobleme, spätes Aktivitätsniveau oder Nebenwirkungen von Stimulanzien müssen getrennt bewertet werden.

Emotionale Dysregulation

Starke Reizbarkeit, impulsive Reaktionen oder Stressüberflutung sind häufige Behandlungsanlässe.

Desorganisation

Vergesslichkeit, Zeitblindheit und fehlende Struktur bleiben primär ein Thema für Therapie, Coaching und Routinen.

Komorbiditäten

Angst, Depression, Substanzkonsum oder Schlafstörungen beeinflussen, ob Cannabis medizinisch vertretbar ist.

Abklärung

Diagnose der ADHS

ADHS wird nicht durch einen einzelnen Test festgestellt, sondern durch eine strukturierte fachärztliche Abklärung.

Die Diagnose stützt sich auf eine ausführliche Anamnese der Kindheit und der aktuellen Beschwerden, standardisierte Fragebögen wie WURS-k oder die Conners-Skalen, den Ausschluss anderer psychischer Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen sowie die Beurteilung der Auswirkungen auf Beruf, Familie und Alltag.

Eine zuverlässige Diagnose erfolgt durch einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Cureal arbeitet im Bereich ADHS ausschließlich auf Basis einer bereits gestellten psychiatrischen Diagnose und in enger Abstimmung mit der behandelnden Praxis.

So läuft die Abklärung

  • Anamnese zu Kindheitsverlauf, aktuellen Beschwerden und Alltagsauswirkungen
  • Standardisierte Fragebögen wie WURS-k oder Conners-Skalen
  • Ausschluss anderer psychischer Erkrankungen mit ähnlichem Beschwerdebild

Klassische Behandlung

Therapie: Behandlung der ADHS

Die Behandlung folgt der S3-Leitlinie ADHS und ist mehrschichtig. Medizinisches Cannabis ergänzt diese Bausteine, ersetzt sie aber nicht.

Medikamentöse Therapie

Stimulanzien wie Methylphenidat (z. B. Ritalin, Medikinet, Concerta) und Lisdexamfetamin (Elvanse) sind die Erstlinien-Therapie und wirken bei vielen Patienten gut, können aber Schlafstörungen, Appetitverlust oder emotionale Abgestumpftheit verursachen. Bei schlechter Verträglichkeit oder Kontraindikationen kommen Nicht-Stimulanzien wie Atomoxetin oder Guanfacin infrage.

Erstlinie: Stimulanzien

Psychotherapie und Alltag

Verhaltenstherapie mit Fokus auf Strukturierung, Achtsamkeit und Selbstregulation sowie ADHS-Coaching für die Alltagsorganisation sind fester Bestandteil der Behandlung. Dazu kommen wirksame Lebensstil-Bausteine:

  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Ausdauersport und Krafttraining
  • Feste Routinen, Listen und Erinnerungen
  • Achtsamkeitstraining und Atemtechniken
Ergänzend zur Medikation

Cannabinoid-System

Warum Cannabis bei ADHS nur ergänzend geprüft wird

Das Endocannabinoid-System ist an Stressverarbeitung, Stimmung, Schlaf und Aufmerksamkeit beteiligt. Die körpereigenen Andockstellen, an denen Cannabis wirkt, sitzen unter anderem im präfrontalen Kortex, der bei ADHS eine zentrale Rolle spielt. Genau diese Funktionsbreite erklärt, warum Cannabis bei ADHS-Begleitsymptomen diskutiert wird.

CBD-dominante Präparate werden mit beruhigenden und schlaffördernden Effekten in Verbindung gebracht und können bei dauerhafter innerer Unruhe und Schlafstörungen eine sinnvolle Ergänzung sein. Auch THC-haltige Präparate kommen abends zur Schlafförderung infrage, sofern keine Kontraindikationen bestehen.

THC-haltige und THC-CBD-Kombinationen werden im Off-Label-Einsatz vor allem bei emotionaler Dysregulation und Stressbelastung eingesetzt. Manche Patienten berichten von einem strukturierteren, ruhigeren Alltag, was sich indirekt auf die Konzentrationsfähigkeit auswirken kann. Wie stark der Effekt ausfällt, ist individuell und wird ärztlich begleitet festgestellt.

Cannabinoid System im Körper

Evidenz

ADHS und Cannabis: die Studienlage

Die Studienlage ist im Vergleich zu chronischen Schmerzen oder Epilepsie noch begrenzt, liefert aber zunehmend Hinweise auf positive Effekte bei Begleitsymptomen.

Auch Beobachtungsdaten wie die Auswertung von Hergenrather et al. 2020 deuten auf mögliche Vorteile hin, etwa eine im Verlauf reduzierte Stimulanzien-Dosis.

30 Teilnehmende · Cooper-Studie 2017

Randomisierte kontrollierte Pilotstudie mit Sativex (THC-CBD-Kombination) bei Erwachsenen mit ADHS. Es zeigten sich tendenzielle Verbesserungen bei Aufmerksamkeit und Hyperaktivität-Impulsivität, ohne statistisch signifikanten Effekt im primären Endpunkt.

2022 Übersichtsarbeit · Stueber und Cuttler

Die Übersichtsarbeit fasst eine wachsende Zahl an Selbstberichts-Studien zusammen, in denen Erwachsene mit ADHS Verbesserungen bei innerer Unruhe, Schlaf und Stimmung berichten. Weitere kontrollierte Studien mit standardisierten Wirkstoffen werden für nötig gehalten.

Rechtslage

Medizinisches Cannabis ist in Deutschland seit 2017 verschreibungsfähig, mit der Gesetzesänderung von 2024 wurde der Zugang für Patienten weiter erleichtert.

Bei ADHS gibt es kein zugelassenes Cannabinoid-Fertigarzneimittel. Der Einsatz erfolgt ausschließlich außerhalb der zugelassenen Anwendung (Off-Label) auf Basis einer individuellen ärztlichen Indikationsstellung. Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse wird im Einzelfall geprüft und ist nicht die Regel, die meisten Patienten finanzieren die Cannabistherapie privat.

Meilensteine

2017 Cannabis als Medizin verschreibungsfähig 2024 Cannabisgesetz erleichtert den Zugang

Ablauf

Wie der Weg zum Rezept bei ADHS läuft

Die Entscheidung sollte zur psychiatrischen Behandlung passen und auf Diagnose, Zielbeschwerden, Risiken und Medikationsplan basieren.

1

Diagnose

Eine bestehende ADHS-Diagnose, bisherige Befunde und aktuelle Behandlung werden eingeordnet.

2

Zielbeschwerden

Innere Unruhe, Schlaf, emotionale Dysregulation, Konzentration und Alltagseinschränkungen werden strukturiert besprochen.

3

Medikationscheck

Stimulanzien, Atomoxetin, Guanfacin, Schlafmittel, Antidepressiva und weitere Medikamente werden auf Risiken geprüft.

4

Risiko-Check

Angst, Psychose-Risiko, Suchtanamnese, Fahrtauglichkeit und berufliche Anforderungen werden ausdrücklich einbezogen.

5

Kontrolle

Wirkung, Nebenwirkungen, Schlaf, Tagesfunktion, Konzentration und Rückmeldung der behandelnden Praxis werden kontrolliert.

Einordnung

CBD, THC und Therapieauswahl

Bei ADHS gibt es kein standardisiertes Cannabis-Präparat als Regeltherapie. Wirkstoff, Dosis und Einnahmezeitpunkt werden deshalb besonders eng an Zielbeschwerden und Risiken ausgerichtet.

  • CBD-dominante Optionen können bei innerer Unruhe oder Schlafproblemen geprüft werden.
  • THC-haltige Präparate brauchen wegen Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Angst besondere Zurückhaltung.
  • Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Atomoxetin und Schlafmittel müssen im Medikationscheck berücksichtigt werden.
Fragen zu Cannabis und ADHS

Häufige Fragen

Fragen zu Cannabis und ADHS

Diese Antworten geben eine erste Orientierung. Die konkrete Einschätzung für Ihre Situation trifft der behandelnde Arzt.

Was bewirkt Cannabis bei ADHS?

Bei Erwachsenen mit ADHS kann medizinisches Cannabis vor allem Begleitsymptome wie innere Unruhe, Schlafstörungen und emotionale Dysregulation lindern. Manche Patienten berichten zusätzlich von einem ruhigeren Alltag, besserer Strukturierbarkeit und einer indirekten Verbesserung der Konzentration. Studiendaten und Patientenberichte deuten in Summe auf einen positiven Effekt hin, die Studienlage ist im Vergleich zu Schmerzen oder Epilepsie aber kleiner. Der konkrete Effekt ist individuell und wird im Verlauf der Therapie geprüft.

Welches Cannabis kommt bei ADHS in Frage?

Die Auswahl erfolgt individuell im Erstgespräch. CBD-dominante Präparate stehen im Vordergrund, weil sie nicht psychoaktiv wirken, gut steuerbar sind und tagsüber genutzt werden können. THC-haltige Präparate kommen vor allem am Abend zum Einsatz, etwa bei ausgeprägter innerer Unruhe oder Schlafstörungen. Kombinationspräparate mit ausgewogenem THC-CBD-Verhältnis lassen sich individuell anpassen, auch über den Tag verteilt.

Wie schnell merke ich eine Wirkung?

Bei CBD-haltigen Präparaten lässt sich eine erste Reaktion meist nach einigen Tagen bis zwei Wochen einschätzen, die volle Einstellung dauert in der Regel vier bis sechs Wochen. THC-haltige Präparate wirken am Tag der Einnahme, die richtige Dosis wird über zwei bis vier Wochen ausgetestet. Beim Folgetermin nach zwei bis vier Wochen passen wir die Dosis gemeinsam an.

Macht medizinisches Cannabis bei ADHS abhängig?

Bei ärztlich verordnetem medizinischen Cannabis in therapeutischer Dosis ist das Abhängigkeitspotenzial gering. Wichtig ist, die Therapie nicht mit Freizeitkonsum zu vermischen. Bei Patienten mit aktueller oder früherer Suchterkrankung ist besondere Vorsicht geboten. Genau das ist Teil der ärztlichen Anamnese und der laufenden Begleitung.

Kann ich Cannabis mit Methylphenidat oder Atomoxetin kombinieren?

Eine Kombination mit Stimulanzien oder Atomoxetin ist in vielen Fällen möglich, erfordert aber sorgfältige ärztliche Abstimmung. Wechselwirkungen bestehen vor allem auf der Ebene von Schlaf, Appetit und Kreislauf. Manche Patienten reduzieren im Verlauf der Cannabis-Therapie die Stimulanzien-Dosis in Abstimmung mit der psychiatrischen Praxis. Eine eigenmächtige Änderung der Bestandsmedikation ist nicht angezeigt.

Darf ich nach der Einnahme von medizinischem Cannabis Auto fahren?

Mit ärztlich verordnetem medizinischem Cannabis dürfen Sie grundsätzlich am Straßenverkehr teilnehmen, sofern Sie sich fahrtüchtig fühlen und die Therapie stabil eingestellt ist. Insbesondere zu Beginn der Therapie und nach Dosisanpassungen kann die Reaktionsfähigkeit reduziert sein. Wir empfehlen, die ersten Tage einer Einstellung nicht selbst zu fahren. Im Erstgespräch klären wir die individuellen Voraussetzungen und stellen bei Bedarf eine Therapie-Bescheinigung aus.

ADHS-Begleitsymptome ärztlich einordnen lassen

Wenn trotz bestehender ADHS-Behandlung innere Unruhe, Schlafprobleme oder emotionale Dysregulation belasten, kann eine ärztliche Beratung klären, ob medizinisches Cannabis in Ihrem Fall vertretbar ist.

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