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Medizinisches Cannabis bei Epilepsie

Bei Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom und tuberöser Sklerose, drei schweren Epilepsieformen, ist hochgereinigtes Cannabidiol (Epidyolex) als ergänzende Therapie zugelassen und gut belegt. Auch bei anderen therapieresistenten Epilepsieformen kann Cannabis im Einzelfall ergänzend in Frage kommen, in enger Abstimmung mit der behandelnden Neurologie. Bei Cureal München prüfen wir im Erstgespräch (19,90 EUR), ob eine Cannabistherapie für Ihre Situation sinnvoll ist.
Medizinisches Cannabis bei Epilepsie

In Deutschland leben rund 500.000 bis 600.000 Menschen mit Epilepsie. Etwa zwei Drittel werden unter Mitteln gegen Anfälle (Antiepileptika) anfallsfrei. Das letzte Drittel gilt als therapieresistent und sucht oft nach ergänzenden Optionen. Genau hier setzt medizinisches Cannabis an: bei drei schweren Epilepsiesyndromen ist Cannabidiol als Fertigarzneimittel zugelassen, bei weiteren Formen wird die Anwendung im Einzelfall in enger Abstimmung mit der Neurologie geprüft.


Was ist Epilepsie ?

Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen zeitweise übererregt sind und unkontrolliert Signale aussenden. Das löst einen Anfall aus. Nach Daten der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie leben in Deutschland rund 500.000 bis 600.000 Menschen mit Epilepsie. Methodischen Rahmen liefert die DGN-Leitlinie Epilepsie. Eine Patientenleitlinie der Deutschen Hirnstiftung 2025 gibt zusätzliche Orientierung und benennt Cannabinoide als Zusatzoption bei ausgewählten Indikationen.


Ursachen: Die Auslöser sind vielfältig. Genetische Faktoren, frühkindliche Hirnschäden, Schlaganfälle, Tumoren, Stoffwechselerkrankungen oder Hirnverletzungen können eine Rolle spielen. Bei einem Teil der Patienten bleibt die Ursache unklar (idiopathische Epilepsie).


Begleitbeschwerden: Neben den Anfällen selbst belasten kognitive Veränderungen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und der Verlust der Fahrtauglichkeit den Alltag. Genau diese Begleitsymptome sind eigenständig adressierbar und stehen mit im Fokus einer ergänzenden Cannabistherapie.



Anfallsformen und Symptome

Anfälle können sich sehr unterschiedlich äußern. Vier zentrale Bereiche stehen in der Praxis im Vordergrund:



Fokale Anfälle

Anfälle, die in einer umschriebenen Hirnregion beginnen. Symptome hängen vom betroffenen Hirnareal ab und reichen von Zuckungen und Sensibilitätsveränderungen bis zu Bewusstseinsstörungen.

Generalisierte Anfälle

Anfälle, die beide Hirnhälften gleichzeitig betreffen. Bewusstseinsverlust ist häufig. Erscheinungsformen reichen von kurzen Bewusstseinsaussetzern (Absencen) bis zu Anfällen mit Krampfen.

Kurze Bewusstseinsaussetzer

Sekundenlange Bewusstseinsaussetzer, oft im Kindes- und Jugendalter, bei Erwachsenen seltener, aber möglich.

Phase nach dem Anfall und Begleitsymptome

Erschöpfung, Verwirrtheit, Kopfschmerzen oder vorübergehende Ausfälle im Nervensystem nach dem Anfall. Stimmungs- und Schlafveränderungen treten häufig komorbid auf und sind eigenständig behandelbar.


Diagnose der Epilepsie


Die Diagnose stützt sich auf eine genaue Anamnese, Fremdanamnese (Beobachtung durch Angehörige), 
EEG, MRT und gegebenenfalls Blutuntersuchungen. Ziel ist es, die Anfallsform einzugrenzen und 
Ursachen zu identifizieren, die gezielt behandelt werden können. Die Diagnostik liegt in der Neurologie. 
Sobald die Diagnose steht und die Basistherapie eingestellt ist, kann eine ergänzende Cannabistherapie für 
ausgewählte Begleitsituationen geprüft werden. Cureal arbeitet im Bereich Epilepsie ausschließlich in enger 
Abstimmung mit der behandelnden neurologischen Praxis oder Klinik.

Therapie der Epilepsie


Die Behandlung folgt der DGN-Leitlinie und ist mehrschichtig. 
Medizinisches Cannabis ergänzt diese Bausteine, ersetzt sie aber nicht.


  • Mittel gegen Anfälle (Antiepileptika): Erstlinien-Therapie mit Levetiracetam, Lamotrigin, Valproat, Carbamazepin, Topiramat (verschiedene Wirkstoffe, je nach Anfallsform individuell ausgewählt) und weiteren Präparaten.

  • Spezialverfahren: Verfahren, bei dem ein Nerv im Hals stimuliert wird (Vagusnervstimulation, VNS), eine fettreiche kohlenhydratarme Ernährungsform (ketogene Diät) und in ausgewählten Fällen chirurgische Eingriffe.

  • Cannabidiol (CBD) als Zusatztherapie: Bei den zugelassenen Indikationen Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom und tuberöser Sklerose (einer seltenen Erbkrankheit mit Tumoren in mehreren Organen) als Fertigarzneimittel (Epidyolex). Bei anderen Formen außerhalb der zugelassenen Anwendung (Off-Label) im Einzelfall.

Lebensstil-Änderungen:

Regelmäßiger Schlaf: Schlafmangel ist ein bekannter Anfallstrigger, ein konstanter Schlaf-Wach-Rhythmus wirkt stabilisierend.

Trigger-Vermeidung: Individuelle Trigger wie Stress, Alkohol oder bei lichtempfindlichen Formen flackerndes Licht identifizieren und reduzieren.

Anfallstagebuch: Systematische Dokumentation hilft Neurologie und Patient bei Therapieanpassungen und ist gleichzeitig die Grundlage für eine sinnvolle Cannabis-Einstellung.

Stressreduktion: Achtsamkeit, Atemtechniken und Entspannungsverfahren ergänzen die medikamentöse Therapie und können Anfallstrigger entschärfen.

Epilepsie Cannabis Therapie

Cannabis bei Epilepsie: 
Wirkmechanismen und Anwendungsbereiche


Das Endocannabinoid-System 


Das körpereigene Cannabinoid-System (Endocannabinoid-System) ist an der Regulation der neuronalen Erregbarkeit beteiligt. Die körpereigenen Andockstellen, an denen Cannabis wirkt, beeinflussen die Balance zwischen Erregung und Hemmung im Gehirn. 

Cannabidiol wirkt zusätzlich über weitere körpereigene Andockstellen, was den anfallsdämpfenden Effekt erklären kann. Genau diese Funktionsbreite ist die biologische Basis für den belegten Nutzen von CBD bei bestimmten schweren Epilepsieformen.

Cannabinoid System im Körper

Wirkung von CBD bei den zugelassenen Indikationen


Cannabidiol ist der am besten untersuchte Wirkstoff bei Epilepsie. Für das Dravet-Syndrom und das Lennox-Gastaut-Syndrom sowie für die tuberöse Sklerose ist hochgereinigtes CBD in Deutschland und der EU als Fertigarzneimittel (Epidyolex) zugelassen. Die Wirksamkeit als Zusatztherapie ist in qualitativ hochwertigen Vergleichsstudien belegt. 



THC bei Epilepsie

Wirkung von CBD und THC außerhalb der zugelassenen Anwendung


Bei anderen Epilepsieformen (fokale Erwachsenen-Epilepsien, generalisierte Formen außerhalb der zugelassenen Syndrome) handelt es sich um Anwendungen außerhalb der zugelassenen Anwendung (Off-Label). Die Evidenz ist hier schwächer, eine Praxis-Analyse 2025 beschreibt moderate Effekte bei einem Teil der Patienten. 



CBD bei Epilepsie

Epilepsie und Cannabis: Die Studienlage


Die Studienlage zu Cannabidiol bei Epilepsie zählt zu den belastbarsten im Bereich der Cannabis-Therapie, allerdings differenziert nach Indikation.

Ein Forschungsteam um Devinsky fasste 2018 zusammen (New England Journal of Medicine), wie sich CBD beim Dravet-Syndrom in der zentralen qualitativ hochwertigen Vergleichsstudie verhält. Die Studie war Grundlage für die EU-Zulassung. Ein Forschungsteam um Gaston und Szaflarski fasste 2018 zusammen, wie sich die Evidenz zu CBD bei verschiedenen Epilepsieformen darstellt. Ein Forschungsteam um Doyle und Harvey fasste 2019 zusammen, wie sich die pharmakologischen Grundlagen und Wechselwirkungen verhalten.

Aktuelle Daten aus der Praxis ergänzen das Bild. Das UK Early Access Program 2024 dokumentiert bei Dravet- und Lennox-Gastaut-Patienten unter Epidyolex einen mittleren Rückgang motorischer Anfälle um 56,7 Prozent nach 6 Monaten und 60,0 Prozent nach 12 Monaten. Die Deutsche Multizenter-Retrospektive 2025 wertet 202 Patienten (159 Lennox-Gastaut, 34 Dravet, 9 Tuberöse Sklerose) über 12 Monate aus und liefert Daten dazu, wie viele Patienten die Therapie weiterführten und wie sich ihr Zustand insgesamt veränderte.

Für Anwendungen außerhalb der zugelassenen Anwendung ist die Datenlage deutlich schwächer. Eine Praxis-Analyse 2025 (Neurological Research and Practice) zu therapieresistenten Erwachsenen-Epilepsien beschreibt moderate Effekte bei einem Teil der Patienten, ohne qualitativ hochwertige Vergleichsstudie als Grundlage. Diese Datenlage wird in der Fachdiskussion als Hinweis darauf gewertet, dass die Wahl des Wirkstoffs, die Dosierung und die individuelle Einstellung entscheidend sind, also genau das, was in einer ärztlich begleiteten Therapie geleistet wird.


Rechtliche Lage in 
Deutschland (Stand 2026)


Medizinisches Cannabis ist seit 2017 verschreibungsfähig. Bei Epilepsie nimmt Cannabidiol eine Sonderrolle ein:

  • Zugelassene Indikationen: Für Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom (ab 2 Jahren) und tuberöse Sklerose (ab 1 Jahr) ist hochgereinigtes Cannabidiol als Fertigarzneimittel (Epidyolex) zugelassen. Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse ist hier die Regel.
  • Anwendung außerhalb der zugelassenen Anwendung (Off-Label): Bei anderen Epilepsieformen handelt es sich um Off-Label-Anwendung. Eine Kostenübernahme wird im Einzelfall geprüft.



Wie kommen Sie zum Cannabis-Rezept bei Epilepsie?



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Beratungsgespräch:

Sie schildern Ihre Anfallsformen, Ihre bisherige Therapie und welche Begleitsymptome Sie am stärksten belasten. 

Der Arzt prüft den gesamten Medikationsplan auf mögliche Wechselwirkungen mit Mitteln gegen Anfälle und klärt mit Ihnen, ob eine Cannabistherapie für Ihre Situation in Frage kommt. Eine kurze Rücksprache mit Ihrer behandelnden Neurologie ist Teil des Vorgehens und sorgt für eine sichere Einstellung.

Ärzte kennen lernen

2

Rezept

Bei passender Indikation stellt der Arzt ein Rezept aus. Bei den zugelassenen Indikationen kommt Epidyolex in Frage, sonst werden Wirkstoff (in der Regel CBD-dominant), Sorte und Darreichungsform individuell ausgewählt. 
Sie erhalten eine genaue Erklärung zur Einnahme und zu den ersten Wochen der Einstellung.
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Einstellung

Das Rezept lösen Sie in einer Apotheke ein, die medizinisches Cannabis führt. Der Einstieg erfolgt mit niedrigen Dosen nach dem Prinzip "start low, go slow". Nach zwei bis vier Wochen schauen wir gemeinsam, wie Sie das Mittel vertragen, ob sich Anfallshäufigkeit und Begleitsymptome verändert haben und wie sich die Laborwerte entwickeln. Dosierung und Sorte passen wir bei Bedarf an, bis das Ergebnis für Ihren Alltag passt.

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Häufige Fragen zu Cannabis und Epilepsie


Bei drei schweren Epilepsiesyndromen, dem Dravet-Syndrom, dem Lennox-Gastaut-Syndrom und der tuberösen Sklerose, ist hochgereinigtes Cannabidiol als Fertigarzneimittel (Epidyolex) als Zusatztherapie zugelassen und in qualitativ hochwertigen Vergleichsstudien belegt wirksam. Daten aus der Praxis dokumentieren mittlere Rückgänge der Anfallshäufigkeit über 6 und 12 Monate. Bei anderen Epilepsieformen kann Cannabis im Einzelfall ergänzend in Frage kommen, die Evidenz ist hier schwächer und die Anwendung erfolgt außerhalb der zugelassenen Anwendung (Off-Label).

Bei den zugelassenen Indikationen ist Epidyolex (hochgereinigtes Cannabidiol) das Mittel der Wahl. Bei Off-Label-Anwendungen stehen ebenfalls CBD-dominante Präparate im Vordergrund, weil sie nicht psychoaktiv wirken und gut steuerbar sind. THC-haltige Präparate werden bei Epilepsie sehr zurückhaltend eingesetzt und kommen in Einzelfällen in Frage, etwa bei begleitender Muskelsteifigkeit oder bestimmten Schmerzformen. Die Auswahl erfolgt individuell im Erstgespräch und in Abstimmung mit der behandelnden Neurologie.

Bei CBD-haltigen Präparaten lässt sich eine erste Reaktion meist nach einigen Tagen bis zwei Wochen einschätzen, die volle Einstellung dauert in der Regel vier bis sechs Wochen. Bei Epidyolex erfolgt die Aufdosierung schrittweise nach Fachinformation. Beim Folgetermin nach zwei bis vier Wochen passen wir die Dosis gemeinsam an, basierend auf Anfallstagebuch und Laborwerten.

Cannabidiol kann mit mehreren Mitteln gegen Anfälle wechselwirken. Besonders relevant sind Clobazam (ein Beruhigungsmittel, dessen Wirkung sich verstärken kann) und Valproat (mögliche Erhöhung der Leberwerte). Auch andere Mittel gegen Anfälle können über den körpereigenen Stoffwechselweg für Medikamente interagieren. Genau dafür ist die ärztliche Begleitung da: wir starten mit niedriger Dosis, kontrollieren regelmäßig Laborwerte und passen die Therapie an, sobald nötig.

Bei den zugelassenen Indikationen (Dravet, Lennox-Gastaut, Tuberöse Sklerose) ist die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse die Regel. Bei Off-Label-Anwendungen wird der Antrag im Einzelfall vom Medizinischen Dienst geprüft. Wir helfen Ihnen im Erstgespräch bei der Einschätzung Ihrer Chancen und bei den nötigen Unterlagen.

Bei Epilepsie gilt zusätzlich zur Cannabis-Frage die Frage der Anfalls-Fahrtauglichkeit. Patienten müssen die für ihre Anfallsform geltenden Wartefristen nach Anfällen einhalten. Wer durch eine Cannabis-Therapie zusätzlich in der Reaktionsfähigkeit eingeschränkt ist, darf nicht am Straßenverkehr teilnehmen. Insbesondere zu Beginn der Therapie und nach Dosisanpassungen kann die Reaktionsfähigkeit reduziert sein. Wir empfehlen, die ersten Tage einer Einstellung nicht selbst zu fahren und im Zweifel die behandelnde Neurologie zu Rate zu ziehen.
Mehr Infos zum Thema Führerschein und Cannabis hier: 

Führerschein und Cannabis

Fragen zu Epilepsie und Cannabis

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Krebs 

Bei tuberöser Sklerose können begleitende Tumoren auftreten, supportive Cannabis-Therapie kann sich überschneiden.

ADHS 

Bei einigen genetischen Epilepsiesyndromen treten ADHS-Symptome komorbid auf.

Multiple Sklerose 

Die zweite Indikation mit zugelassenem Cannabinoid-Fertigarzneimittel, Sativex bei Muskelsteifigkeit (Spastik).


Disclaimer

Dieser Text dient ausschliesslich der Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Medizinisches Cannabis ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben. Die Entscheidung für oder gegen eine Therapie trifft ausschliesslich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt im individuellen Gespräch.