
Medizinisches Cannabis bei ADHS
Bei Erwachsenen mit ADHS kann medizinisches Cannabis innere Unruhe, Schlafprobleme und emotionale Dysregulation lindern, vor allem dann, wenn klassische Mittel wie Methylphenidat nicht ausreichend wirken oder schlecht vertragen werden. Manche Patienten berichten zusätzlich von einem ruhigeren Alltag und besserer Strukturierbarkeit. Bei Cureal München prüfen wir im Erstgespräch (19,90 EUR), ob eine Cannabistherapie für Ihre Situation in Frage kommt.
Was ist ADHS ?
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Die Erkrankung beginnt meist im Kindesalter und bleibt bei rund zwei Dritteln der Betroffenen auch im Erwachsenenalter bestehen. Bei Erwachsenen äußert sich ADHS oft anders als bei Kindern: statt körperlicher Hyperaktivität stehen innere Unruhe, Schwierigkeiten bei der Alltagsorganisation und emotionale Dysregulation im Vordergrund. Methodischen Rahmen liefert die S3-Leitlinie ADHS der DGKJP, DGPPN und weiterer Fachgesellschaften.
Verbreitung: In Deutschland sind schätzungsweise drei bis fünf Prozent der Erwachsenen betroffen. Genaue Zahlen sind schwer zu bestimmen, weil die Diagnose im Erwachsenenalter häufig spät oder gar nicht gestellt wird.
Begleitsymptome: Schlafstörungen, Angststörungen, Depressionen und Suchterkrankungen treten bei Erwachsenen mit ADHS deutlich häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Genau diese Begleitsymptome sind oft eigenständig adressierbar und stehen mit im Fokus einer ergänzenden Cannabistherapie.
Wie sich ADHS im Erwachsenenalter zeigt
Die Symptome zeigen sich individuell unterschiedlich. Vier zentrale Bereiche stehen in der Praxis im Vordergrund:
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme
Schwierigkeiten, sich über längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren oder Aufgaben zu Ende zu führen.
Innere Unruhe
Ein dauerhaftes Gefühl, nicht zur Ruhe zu kommen, auch in entspannten Situationen. Oft begleitet von Schlafstörungen.
Impulsivität und emotionale Dysregulation
Schnelle, unüberlegte Reaktionen. Gefühle schwanken stark, kleine Auslöser führen zu intensiven Reaktionen.
Desorganisation und Vergesslichkeit
Schwierigkeiten, den Alltag zu strukturieren, Termine einzuhalten oder wichtige Dinge zu erinnern.
Diagnose der ADHS
Die Diagnose stützt sich auf eine ausführliche Anamnese der Kindheit und der aktuellen Beschwerden,
standardisierte Fragebögen wie WURS-k oder Conners-Skalen, den Ausschluss anderer psychischer Erkrankungen
mit ähnlichen Symptomen sowie die Beurteilung der Auswirkungen auf Beruf, Familie und Alltag.
Eine zuverlässige Diagnose erfolgt durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
Cureal arbeitet im Bereich ADHS ausschließlich auf Basis einer bereits gestellten psychiatrischen Diagnose und in enger Abstimmung mit der behandelnden Praxis.
Therapie der ADHS
Die Behandlung folgt der S3-Leitlinie ADHS und ist mehrschichtig. Medizinisches Cannabis ergänzt diese Bausteine, ersetzt sie aber nicht.
- Stimulanzien: Methylphenidat (z.B. Ritalin, Medikinet, Concerta) und Lisdexamfetamin (Elvanse) als Erstlinien-Therapie. Wirken bei vielen Patienten gut, können aber Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Appetitverlust oder emotionale Abgestumpftheit verursachen.
- Nicht-Stimulanzien: Atomoxetin und Guanfacin als Alternative bei schlechter Verträglichkeit oder Kontraindikationen gegen Stimulanzien.
- Psychotherapie und Coaching: Verhaltenstherapie (KVT) mit Fokus auf Strukturierung, Achtsamkeit und Selbstregulation. ADHS-Coaching unterstützt Alltagsorganisation.
- Cannabis als ergänzende Therapie: Bei Erwachsenen mit ADHS, die unter Begleitsymptomen wie innerer Unruhe, Schlafstörungen oder emotionaler Dysregulation leiden, kann medizinisches Cannabis im Einzelfall ergänzend in Frage kommen, immer in Abstimmung mit der psychiatrischen Behandlung.
Lebensstil-Änderungen:
Regelmäßiger Schlaf: Schlafmangel verstärkt ADHS-Symptome deutlich. Ein konstanter Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisiert.
Bewegung: Ausdauersport und Krafttraining wirken stimulierend auf das dopaminerge System und können Symptome entlasten.
Routinen und Struktur: Feste Tagesabläufe, Listen und Erinnerungen reduzieren Vergesslichkeit und Desorganisation.
Achtsamkeit und Stressreduktion: Achtsamkeitsbasiertes Training und Atemtechniken können die emotionale Dysregulation entschärfen.
Cannabis bei ADHS:
Wirkmechanismen und Anwendungsbereiche
Das Endocannabinoid-System
Das körpereigene Cannabinoid-System (Endocannabinoid-System) ist an der Regulation von Stimmung, Aufmerksamkeit, Schlaf und Stressverarbeitung beteiligt.
Die körpereigenen Andockstellen, an denen Cannabis wirkt, sitzen unter anderem im präfrontalen Kortex, der bei ADHS eine zentrale Rolle spielt. Genau diese Funktionsbreite ist die biologische Basis, warum Cannabis bei ADHS-Begleitsymptomen wie innerer Unruhe und Schlafproblemen ansetzen kann.
Wirkung bei innerer Unruhe und Schlaf
CBD-dominante Präparate werden mit beruhigenden und schlaffördernden Effekten in Verbindung gebracht. Bei Erwachsenen mit ADHS, die unter dauerhafter innerer Unruhe und Schlafstörungen leiden, können sie eine sinnvolle Ergänzung sein.
Auch THC-haltige Präparate kommen am Abend zur Schlafförderung in Frage, sofern keine Kontraindikationen bestehen. Die Übersichtsarbeit von Stueber und Cuttler 2022 fasst die aktuelle Evidenzlage bei ADHS zusammen und beschreibt Hinweise auf positive Effekte bei Begleitsymptomen.
Wirkung bei Stress, Emotionsregulation und Konzentration
THC-haltige und THC/CBD-Kombinationen werden im Off-Label-Einsatz vor allem bei emotionaler Dysregulation, Stressbelastung und nicht-organisierter innerer Anspannung eingesetzt. Manche Patienten berichten, dass sie sich unter einer ausgewogenen Cannabis-Therapie strukturierter und ruhiger fühlen, was sich indirekt auf die Konzentrationsfähigkeit auswirken kann.
Eine kleine Pilotstudie von Cooper et al. 2017 mit Sativex bei Erwachsenen-ADHS zeigte einen tendenziellen, statistisch nicht signifikanten Vorteil zugunsten von Cannabis, was als Hinweis für weitere Forschung gewertet wird.
ADHS und Cannabis: Die Studienlage
Die Studienlage zu medizinischem Cannabis bei ADHS ist im Vergleich zu chronischen Schmerzen oder Epilepsie noch begrenzt, liefert aber zunehmend Hinweise auf positive Effekte bei Begleitsymptomen.
Eine Pilotstudie von Cooper et al. 2017 (European Neuropsychopharmacology) untersuchte Sativex (Nabiximols, ein THC/CBD-Präparat) bei 30 Erwachsenen mit ADHS in einer randomisierten kontrollierten Studie. Es zeigten sich tendenzielle Verbesserungen bei Aufmerksamkeit und Hyperaktivitäts-/Impulsivitäts-Symptomen, ohne statistisch signifikanten Effekt im primären Endpunkt. Die Autoren werteten das Ergebnis als Hinweis darauf, dass größere Studien mit individualisierter Dosierung sinnvoll wären.
Die Übersichtsarbeit von Stueber und Cuttler 2022 (Cannabis and Cannabinoid Research) fasst die verfügbare Evidenz zusammen und beschreibt eine wachsende Zahl von Selbstberichts-Studien, in denen Erwachsene mit ADHS Verbesserungen bei innerer Unruhe, Schlaf und Stimmung berichten. Die Autoren betonen, dass weitere kontrollierte Studien mit standardisierten Wirkstoffen notwendig sind.
Eine Auswertung von Hergenrather et al. 2020 (Rambam Maimonides Medical Journal) analysierte Patientenberichte von Erwachsenen mit ADHS, die medizinisches Cannabis nutzten, und beschreibt, dass viele Patienten ihre Stimulanzien-Dosis im Verlauf reduzieren konnten und gleichzeitig eine Verbesserung der Lebensqualität berichteten.
Die Datenlage ist insgesamt klein, aber konsistent in Richtung positiver Effekte bei Begleitsymptomen. Die individuelle Einstellung mit Wirkstoffwahl und Dosierung ist der entscheidende Faktor, also genau das, was in einer ärztlich begleiteten Therapie geleistet wird.
Rechtliche Lage in
Deutschland (Stand 2026)
Medizinisches Cannabis ist seit 2017 verschreibungsfähig. Bei ADHS gibt es kein zugelassenes Cannabinoid-Fertigarzneimittel,
der Einsatz erfolgt ausschließlich außerhalb der zugelassenen Anwendung (Off-Label) auf Basis einer individuellen ärztlichen
Indikationsstellung. Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse wird im Einzelfall geprüft und ist nicht die Regel.
Die meisten Patienten mit ADHS finanzieren die Cannabistherapie privat.
Wie kommen Sie zum Cannabis-Rezept bei ADHS
Beratungsgespräch:
Sie schildern Ihre ADHS-Symptomatik, Ihre bisherige Therapie und welche Begleitsymptome Sie am stärksten belasten. Der Arzt prüft den gesamten Medikationsplan auf mögliche Wechselwirkungen mit Stimulanzien oder Atomoxetin und klärt mit Ihnen, ob eine Cannabistherapie für Ihre Situation in Frage kommt. Eine bestehende psychiatrische Diagnose und eine kurze Rücksprache mit Ihrer behandelnden Praxis sind Teil des Vorgehens.
Lernen Sie unsere Ärzte kennen:
Unsere Ärzte
Rezept
Bei passender Indikation stellt der Arzt ein Rezept aus. Wirkstoff (in der Regel CBD-dominant für den Tag, optional THC-haltig für den Abend), Sorte und Darreichungsform werden individuell ausgewählt. Sie erhalten eine genaue Erklärung zur Einnahme und zu den ersten Wochen der Einstellung.Einstellung
Das Rezept lösen Sie in einer Apotheke ein, die medizinisches Cannabis führt. Der Einstieg erfolgt mit niedrigen Dosen nach dem Prinzip "start low, go slow". Nach zwei bis vier Wochen schauen wir gemeinsam, wie Sie das Mittel vertragen, ob sich innere Unruhe, Schlaf und emotionale Dysregulation verändert haben, und wie sich Konzentration und Alltagsstruktur entwickeln. Dosierung und Sorte passen wir bei Bedarf an, bis das Ergebnis für Ihren Alltag passt.
Häufige Fragen zu Cannabis und ADHS
Bei Erwachsenen mit ADHS kann medizinisches Cannabis vor allem Begleitsymptome wie innere Unruhe, Schlafstörungen und emotionale Dysregulation lindern. Manche Patienten berichten zusätzlich von einem ruhigeren Alltag, besserer Strukturierbarkeit und einer indirekten Verbesserung der Konzentration. Studiendaten und Patientenberichte deuten in Summe auf einen positiven Effekt hin, die Studienlage ist im Vergleich zu Schmerzen oder Epilepsie aber kleiner. Der konkrete Effekt ist individuell und wird im Verlauf der Therapie geprüft.
Die Auswahl erfolgt individuell im Erstgespräch. CBD-dominante Präparate stehen im Vordergrund, weil sie nicht psychoaktiv wirken, gut steuerbar sind und tagsüber genutzt werden können. THC-haltige Präparate kommen vor allem am Abend zum Einsatz, etwa bei ausgeprägter innerer Unruhe oder Schlafstörungen. Kombinationspräparate mit ausgewogenem THC/CBD-Verhältnis lassen sich individuell anpassen, auch über den Tag verteilt.
Bei CBD-haltigen Präparaten lässt sich eine erste Reaktion meist nach einigen Tagen bis zwei Wochen einschätzen, die volle Einstellung dauert in der Regel vier bis sechs Wochen. THC-haltige Präparate wirken am Tag der Einnahme, die richtige Dosis wird über zwei bis vier Wochen ausgetestet. Beim Folgetermin nach zwei bis vier Wochen passen wir die Dosis gemeinsam an.
Bei ärztlich verordnetem medizinischen Cannabis in therapeutischer Dosis ist das Abhängigkeitspotenzial gering. Wichtig ist, die Therapie nicht mit Freizeitkonsum zu vermischen. Bei Patienten mit aktueller oder früherer Suchterkrankung ist besondere Vorsicht geboten. Genau das ist Teil der ärztlichen Anamnese und der laufenden Begleitung.
Eine Kombination mit Stimulanzien oder Atomoxetin ist in vielen Fällen möglich, erfordert aber sorgfältige ärztliche Abstimmung. Wechselwirkungen bestehen vor allem auf der Ebene von Schlaf, Appetit und Kreislauf. Manche Patienten reduzieren im Verlauf der Cannabis-Therapie die Stimulanzien-Dosis in Abstimmung mit der psychiatrischen Praxis. Eine eigenmächtige Änderung der Bestandsmedikation ist nicht angezeigt.
Mit ärztlich verordnetem medizinischem Cannabis dürfen Sie grundsätzlich am Straßenverkehr teilnehmen, sofern Sie sich fahrtüchtig fühlen und die Therapie stabil eingestellt ist. Insbesondere zu Beginn der Therapie und nach Dosisanpassungen kann die Reaktionsfähigkeit reduziert sein. Wir empfehlen, die ersten Tage einer Einstellung nicht selbst zu fahren. Im Erstgespräch klären wir die individuellen Voraussetzungen und stellen bei Bedarf eine Therapie-Bescheinigung aus.
Mehr Infos zum Thema Führerschein und Cannabis hier:
Führerschein und Cannabis
Verwandte Themen im Therapiespektrum
Schlafstörungen
ADHS und Schlafstörungen treten häufig kombiniert auf, eine Cannabistherapie adressiert beide Bereiche zugleich.
Depression
Depressive Episoden sind eine häufige Begleiterkrankung der ADHS und können ergänzend behandelt werden.
Angststörungen
Generalisierte Angststörungen und innere Unruhe überlappen in Symptomatik und Therapie-Optionen.
Disclaimer
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Eine individuelle Therapieentscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt im persönlichen Gespräch unter Berücksichtigung Ihrer Krankengeschichte und in Abstimmung mit Ihrer psychiatrischen Behandlung. Medizinisches Cannabis ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sind möglich.