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Medizinisches 
Cannabis bei
Krebserkrankungen

Eine Krebserkrankung belastet Körper und Psyche. 
Schmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit und Schlafprobleme gehören für viele Patienten zum Alltag, besonders während Chemotherapie oder Bestrahlung. 

Medizinisches Cannabis wird in der supportiven Therapie eingesetzt, um Begleitbeschwerden zu lindern. Diese Seite fasst den Stand sachlich zusammen und grenzt klar ab, was eine Cannabistherapie in der Onkologie leisten kann und was nicht.

Medizinisches Cannabis bei Krebserkrankungen

Krebspatienten erleben oft eine doppelte Belastung: die Erkrankung selbst und die Begleitwirkungen von Chemotherapie, Bestrahlung oder Operation. Wenn Standardmedikamente nicht ausreichend abfangen, suchen viele nach ergänzenden Optionen, die den Alltag erträglicher machen. Medizinisches Cannabis kann in der supportiven Onkologie eine Rolle spielen, wenn die Indikation ärztlich geprüft und die Behandlung mit der Onkologie abgestimmt ist.

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Was ist Krebs ?

In Deutschland erkranken jährlich rund 518.000 Menschen neu an Krebs. Nach den aktuellsten Schätzungen des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut wurden 2023 etwa 276.400 Neuerkrankungen bei Männern und 241.400 bei Frauen registriert. Dank moderner Diagnostik und Therapie überleben heute mehr Patienten langfristig, gleichzeitig bleiben Begleitsymptome, die Lebensqualität und Therapietoleranz stark beeinflussen.

Ursachen: Krebsentstehung ist ein komplexer Prozess, der durch genetische Veranlagung, Lebensstilfaktoren (Tabak, Alkohol, Ernährung, Bewegung), Umweltfaktoren und Infektionen beeinflusst wird. Die Diagnose- und Therapiehoheit liegt in der Onkologie.

Begleitbeschwerden: Tumorbedingte und therapieassoziierte Beschwerden umfassen Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen (besonders unter Chemotherapie), Appetitlosigkeit und krankheitsbedingten Gewichtsverlust (Kachexie), Schlafstörungen, Angst und depressive Verstimmungen sowie tiefe Erschöpfung.




Begleitbeschwerden in der Onkologie

Tumor- und therapiebedingte Schmerzen

Schmerzen durch das Tumorwachstum oder durch Chemotherapie, Bestrahlung und Operation. Oft mehrere Schmerzformen parallel.

Appetitlosigkeit und krankheitsbedingter Gewichtsverlust

Krankheitsbedingter Gewichtsverlust (Kachexie) und therapiebedingter Appetitverlust können die Therapietoleranz und den Allgemeinzustand beeinträchtigen.

Übelkeit und Erbrechen

Besonders Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie, trotz Standard-Mitteln gegen Übelkeit nicht immer vollständig abfangbar.

Schlaf, Angst und tiefe Erschöpfung

Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und tiefe Erschöpfung gehören für viele Patienten zum Alltag und beeinflussen die Lebensqualität stark.


Diagnose von Krebserkrankungen


Die onkologische Diagnose erfolgt durch Fachärzte für Onkologie, Hämatologie und die jeweiligen organspezifischen Disziplinen. Sie umfasst Anamnese, körperliche Untersuchung, Bildgebung (Ultraschall, CT, MRT, PET-CT), Labordiagnostik und histologische Untersuchung von Gewebeproben. Cureal übernimmt keine onkologische Diagnostik. Die Cannabistherapie setzt eine bestätigte onkologische Diagnose und eine eng abgestimmte Behandlungsführung voraus.

Therapie: Behandlung der Krebserkrankung

Die Krebstherapie folgt einem klaren Schema:


Primärtherapie:

Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, zielgerichtete Therapien, Immuntherapien. Diese Verfahren behandeln den Tumor selbst und werden ausschließlich in der Onkologie geplant und durchgeführt.


Supportivtherapie:

Begleitende Maßnahmen zur Linderung von Begleitbeschwerden. Hierzu gehören Schmerzmittel, Mittel gegen Übelkeit, Mittel gegen Depression (Antidepressiva), psychologische Begleitung speziell für Krebspatienten, Ernährungsberatung und gegebenenfalls medizinisches Cannabis.

Cannabistherapie in der Onkologie

Die Geschichte von 
Cannabis in der Onkologie




1975

Erste klinische Studien

Cannabis bei Krebs wurde 1975 erstmals klinisch untersucht, als Sallan und Kollegen am Sidney Farber Cancer Center in einer kontrollierten Studie zeigten, dass oral verabreichtes THC Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie reduzieren kann. In den Folgejahren wurden in den USA synthetisch hergestelltes THC unter dem Namen Dronabinol und Nabilone als Mittel gegen Übelkeit in der Onkologie zugelassen.



1992

Entdeckung des körpereigenen Cannabinoid-Systems

Cannabis bei Krebs erhielt eine wissenschaftliche Grundlage, als ein Forschungsteam um Devane fasste 1992 zusammen, dass es im Körper ein eigenes Cannabinoid-System gibt mit Andockstellen, an denen Cannabis-Wirkstoffe binden. Diese Andockstellen spielen eine Rolle bei Schmerz-, Appetit- und Stimmungsregulation, also genau jenen Bereichen, die in der Supportivtherapie zentral sind.



Seit 2017

Verschreibungsfähigkeit in Deutschland und moderne Reviews

Cannabis bei Krebs ist seit 2017 in Deutschland verschreibungsfähig. Mit dem Cannabisgesetz und der Aufhebung des BtMG-Werbeverbots 2024 wurde der Zugang weiter erleichtert. Aktuelle Reviews wie das eines Forschungsteams um Hardy aus dem Jahr 2025 und die Meta-Analyse eines Forschungsteams um Castle aus dem Jahr 2025 ordnen die Evidenz im supportiven Kontext ein.

Cannabis bei Krebs: 
Wirkmechanismen in der Supportivtherapie


Das Endocannabinoid-System 


Das körpereigene Cannabinoid-System reguliert Schmerz, Übelkeit, Appetit, Schlaf und Stimmung. Es gibt im Körper zwei wichtige Andockstellen, an denen Cannabis-Wirkstoffe binden: eine sitzt unter anderem im Brechzentrum und in Hirnregionen, die in der Stimmungsregulation eine Rolle spielen. Die andere wirkt auf Immun- und Entzündungsprozesse. Diese Funktionsbreite erklärt, warum Cannabis-Wirkstoffe in der Supportivtherapie mehrere Beschwerdebereiche gleichzeitig adressieren könnten.

Cannabinoid System im Körper

Wirkung von THC bei Begleitsymptomen


THC bindet an die Andockstellen im Körper, an denen Cannabis wirkt. Dadurch könnten Effekte gegen Übelkeit, eine appetitanregende Wirkung sowie eine schmerzmodulierende Wirkung auftreten, die in Studien diskutiert werden. THC-dominante Sorten werden insbesondere bei Appetitlosigkeit und Übelkeit unter Chemotherapie eingesetzt. Psychoaktive Nebenwirkungen erfordern eine sorgfältige Dosierung und sind bei älteren oder vorerkrankten Patienten besonders zu beachten.

THC bei Schmerzen

Wirkung von CBD bei Krebs-Begleitetsymptomen


CBD ist nicht psychoaktiv. Entzündungshemmende, angstlösende und schlaffördernde Effekte werden in Studien diskutiert. CBD-dominante Sorten kommen tagsüber in Frage, wenn eine psychoaktive Wirkung vermieden werden soll. In Kombinationspräparaten könnte CBD die Verträglichkeit von THC beeinflussen.



CBD bei Schmerzen

Fazit

Medizinisches Cannabis ersetzt keine onkologische Behandlung. Als Begleitmaßnahme könnte es bei Schmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen die Lebensqualität unterstützen. Ob und wie stark sich Begleitsymptome dadurch verändern, ist individuell und gehört in die ärztliche Beurteilung in enger Abstimmung mit der Onkologie. Eine tumorhemmende Wirkung am Menschen ist nicht belegt.

Wichtiger Hinweis:

Medizinisches Cannabis ist keine Krebstherapie. Es kann ausschließlich als Begleitmaßnahme zur Linderung von Begleitbeschwerden eingesetzt werden. Die onkologische Behandlung wird dadurch nicht ersetzt.

Krebs und Cannabis: Die Studienlage


Die supportive Rolle von Cannabis in der Onkologie ist verglichen mit anderen Indikationen vergleichsweise gut untersucht.

Ein Forschungsteam um Castle fasste 2025 zusammen, wie sich die Daten zu Cannabis in der Onkologie aktuell darstellen. Die umfangreiche Meta-Analyse aggregiert Daten aus über 10.000 Publikationen. Das stärkste Signal liegt im supportiven Bereich (Schmerzen, Übelkeit, Appetit). Methodische Limitationen sind dokumentiert, weshalb die Aussagen vorsichtig zu lesen sind.

Ein Forschungsteam um Hardy fasste 2025 zusammen, dass Cannabis in der Onkologie eine Rolle bei Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie sowie tumorbedingten Schmerzen spielt. Das Review im Internal Medicine Journal warnt aber vor unkritischem Einsatz und Wechselwirkungen mit onkologischen Therapien.

Forschungsteams um Häuser fassten 2023 zusammen und um Helzlsouer fassten 2023 zusammen die Evidenz aus systematischen Reviews zur Supportivtherapie. Forschungsteams um Legare aus dem Jahr 2022 und um Mashabela aus dem Jahr 2024 dokumentieren Hinweise auf Schmerzlinderung und Verbesserung der Lebensqualität. Ein Forschungsteam um Le aus dem Jahr 2024 diskutiert den Einsatz bei Appetitlosigkeit und krankheitsbedingtem Gewichtsverlust.



Rechtliche Lage in 
Deutschland (Stand 2026)

Medizinisches Cannabis ist seit 2017 verschreibungsfähig. In der Onkologie ist die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse in vielen Fällen positiv beschieden, insbesondere bei Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie, tumorbedingten Schmerzen und krankheitsbedingtem Gewichtsverlust. Voraussetzung ist in der Regel eine schwerwiegende Erkrankung und der Nachweis, dass Standardtherapien nicht ausreichend gewirkt haben. Der Antrag wird vom Medizinischen Dienst geprüft.


Wie kann ich mir Cannabis in der Krebstherapie 
verschreiben lassen?


1

Beratungsgespräch:

Krankheitsverlauf, aktuelle onkologische Therapien und Begleitbeschwerden werden besprochen. Die enge Abstimmung mit der behandelnden Onkologie ist Voraussetzung.

Lernen Sie unsere Ärzte kennen:
Unsere Ärzte

2

Cannabis-Rezept:

Bei passender Indikation und positiver Prüfung stellt der Arzt ein Rezept aus.
3

Einstellung

Ausgabe in der Apotheke, niedrig dosierter Einstieg, engmaschige Begleitung mit Beobachtung von Wirkung, Verträglichkeit und möglichen Wechselwirkungen.

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Häufige Fragen zu Cannabis und Krebs


Nein. Es gibt aktuell keine klinischen Studien am Menschen, die eine tumorhemmende Wirkung von Cannabis belegen. Laborstudien zeigen Hinweise, die sich bisher nicht auf die Behandlung am Menschen übertragen ließen. Der Krebsinformationsdienst des DKFZ fasst den Stand neutral zusammen. Cannabis kann in der Supportivtherapie zur Linderung von Begleitbeschwerden in Frage kommen, ist aber kein Ersatz für die onkologische Therapie.

Welche Sorte für Sie passt, hängt von Ihrem Anfallsmuster und Ihrem Tagesablauf ab. Sorten mit mehr THC werden oft im akuten Anfall oder abends eingesetzt. Sorten mit mehr CBD eignen sich tagsüber, wenn Sie keine psychoaktive Wirkung wünschen. Auch Kombinationen sind möglich, mit einem festen Verhältnis von THC und CBD. Die richtige Wahl besprechen wir mit Ihnen im ärztlichen Erstgespräch.

Cannabis ist keine Tumortherapie. Als Supportivmaßnahme könnten Begleitsymptome wie Übelkeit, Schmerzen, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen beeinflusst werden. Manche Patienten berichten unter Cannabis von ruhigerem Schlaf, weniger Übelkeit und besserem Appetit. Die Reaktion ist individuell. Die Entscheidung erfolgt immer in Abstimmung mit der behandelnden Onkologie.

Die Wahl der Sorte richtet sich nach der dominierenden Begleitbeschwerde und dem Allgemeinzustand. THC-dominante Sorten werden insbesondere bei Appetitlosigkeit und Übelkeit eingesetzt. CBD-dominante Sorten kommen tagsüber in Frage, wenn eine psychoaktive Wirkung vermieden werden soll. Kombinationspräparate erlauben die Balance zwischen Wirkung und Verträglichkeit. Die konkrete Auswahl gehört in die ärztliche Beratung in Abstimmung mit der Onkologie.

Inhaliertes Cannabis (Verdampfer) entfaltet seine Wirkung in der Regel innerhalb weniger Minuten und hält zwei bis vier Stunden an, was bei akuter Übelkeit und Durchbruchschmerzen relevant sein kann. Oral eingenommene Mittel wie Öle oder Kapseln wirken langsamer (30 bis 90 Minuten), halten dafür sechs bis acht Stunden und eignen sich für eine Basis-Therapie über den Tag.

Im Vergleich zu starken Schmerzmitteln (Opioiden) und Beruhigungsmitteln (Benzodiazepinen) ist das körperliche Abhängigkeitspotenzial gering. Eine psychische Gewöhnung kann sich entwickeln, vor allem bei dauerhaft hoher THC-Dosierung. Im therapeutischen Rahmen mit ärztlicher Kontrolle und engmaschiger Begleitung ist das Risiko deutlich reduziert. Wer die Therapie beendet, sollte das schrittweise und in Absprache mit dem behandelnden Arzt tun.

Wer durch eine Cannabis-Therapie in seiner Reaktionsfähigkeit eingeschränkt ist, darf nicht am Straßenverkehr teilnehmen. Patienten unter ärztlich angeordneter Therapie sind rechtlich anders gestellt als Freizeitkonsumenten, müssen ihre Fahrtauglichkeit aber selbst verantwortungsvoll einschätzen. Insbesondere zu Beginn der Therapie und nach Dosisanpassungen ist die Reaktionsfähigkeit häufig reduziert. Wir empfehlen, die ersten Tage einer Einstellung nicht selbst zu fahren.
Mehr Infos zum Thema Führerschein und Cannabis hier: 

Führerschein und Cannabis

Eine Kombination ist häufig möglich, erfordert aber die enge Abstimmung mit der behandelnden Onkologie. Wechselwirkungen sind insbesondere mit Chemotherapeutika möglich, die über den körpereigenen Stoffwechselweg für Medikamente verarbeitet werden. Auch mit Begleitmedikation wie Mitteln gegen Depression (Antidepressiva), Beruhigungsmitteln oder Blutverdünnern sind Interaktionen möglich. Vor jeder Therapie-Anpassung sollten alle aktuell eingenommenen Medikamente offen besprochen werden.


In der Onkologie ist die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse in vielen Fällen positiv beschieden, insbesondere bei Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie, tumorbedingten Schmerzen und krankheitsbedingtem Gewichtsverlust. Voraussetzung ist eine schwerwiegende Erkrankung und der Nachweis, dass Standardtherapien nicht ausreichend gewirkt haben. Wir unterstützen Sie im Erstgespräch bei der Einschätzung und bei der Antragstellung.


Fragen zu Cannabis in der Krebstherapie

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Chronische Schmerzen 

Tumorbedingte Schmerzen teilen Wirkmechanismen mit anderen chronischen Schmerzformen.

Depression 

Depressive Verstimmungen treten in der onkologischen Begleitung häufig auf.

Schlafstörungen

Schlafprobleme sind unter Krebstherapie verbreitet, das körpereigene Cannabinoid-System ist hier gut untersucht.


Disclaimer

Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Eine individuelle Therapieentscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt im persönlichen Gespräch unter Berücksichtigung Ihrer Krankengeschichte. Medizinisches Cannabis ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sind möglich.